Freunde können sehr verschieden sein. Oder zeichnet sich Freundschaft immer in der Summe der Gemeinsamkeiten aus? Verlasse ich einen Freund gleich, wenn er nicht so ist wie ich es vielleicht verstehen kann? Wann verlasse ich oder ziehe mich zurück aus einer freundschaftlichen Beziehung?
2012 hatte ich viele Herausforderungen zu bewältigen, vor allem was das Thema Freundschaft betrifft. Ich habe mich mehr als einmal gefragt, ob ich richtig bin, so wie ich bin. Daran habe ich dann auch wieder gezweifelt, denn eigentlich möchte man ja anderen nicht die Macht geben Selbstzweifel auszulösen. Aber doch tut man das.
Ich weiß, ohne es zu bewerten, von mir selbst, ich bin kein besonders einfacher Mensch. Nun, wer ist das schon? Aber ich denke es gibt schon Menschen, die machen es ihren Mitmenschen leicht. Sie haben die Gabe sich selbst nicht allzu wichtig zu nehmen, nicht zu allem ihren Senf dazu geben zu müssen oder anderen einen Spiegel vor zu halten. Ich gehöre nicht zu diesen Menschen. Manchmal bedauere ich das, manchmal bin ich froh darüber. Ich bin sehr oft schmerzlich ehrlich, auch wenn man mich nicht direkt danach fragt. Ich diskutiere gern, stelle mich gern geistigen Herausforderungen und gehe Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg. So würde ich es erklären. Jemand der mich nicht mag könnte aber auch sagen: Ich bin neunmalklug, maßregelnd und arrogant. Diese Menschen verstehen mich nicht und ich sie nicht. Also trennen wir uns... Ich gehe sehr kritisch mit mir selbst um und erwarte das auch oft von meinen Mitmenschen. Nicht immer ist das fair. Ich bin nicht immer fair. Und ich behaupte, niemand ist immer fair. Ich habe in diesem Jahr Menschen kennengelernt, die meine Art zu sein nicht mochten. Mir geht das auch so, manchmal lerne ich Menschen kennen und stelle nach einer Zeit fest, dass der Funke nicht überspringt. Manchmal ist es aber auch so, dass man jemanden über Jahre kennt, mag und schätzt aber dann ändert sich etwas. Irgendetwas. Nicht immer ist jemand Schuld daran, nicht immer lassen sich Wogen wieder glätten.
Aber was ist dann der richtige Weg? Das Gespräch suchen? Anrufen? Nichts sagen und sich nicht mehr melden? Es "ausschleichen" lassen? Einen Brief oder eine Mail schreiben?
Wisst ihr, ich finde es gibt keine Pauschalmoral. Manchmal haben geschriebene Zeilen einen besseren Klang, sind ehrlicher und auch endgültiger. Manchmal ist genau das Gegenteil der Fall. Ein geschriebenes Wort, lässt sich nicht so schnell zurück nehmen, deswegen sollte es gut durchdacht sein. Es gibt aber aus Situationen in denen ein Gespräch den erwünschten Erfolg bringt...
Aber leider wissen wir nie vorher was der richtige Weg ist.
Wir täuschen uns. In Menschen genauso wie in Dingen die wir tun.
Es bleibt aber immer bei uns selbst, welchen Weg wir annehmen, welchen Schuh wir uns anziehen lassen.
Ich bin nicht der Typ der die andere Wange hinhält und ich finde auch nicht das man immer vergeben muss um mit einer Sache abzuschließen. Es gibt Türen die habe ich zu gemacht und die würde ich im Leben nicht wieder öffnen. Allerdings muss ich zugeben, dass man sich sowas sehr gut überlegen sollte...
Dann gibt es aber auch Türen, die habe ich zwar zugemacht, aber wenn man die Klinke runterdrückt, gehen sie auf.
Ich bin gerne Freundin, ungern bin ich Bekannte...das liegt mir einfach nicht. Klar, manchmal ist man es trotzdem, auch ich und das ist dann auch okay. Aber ich bin Menschen lieber nah, ich bin gerne ehrlich und ich versuche zu verstehen was in Menschen vorgeht. Deswegen diskutiere ich auch so gern, denn dann kann ich gut in die Seele eines Menschen schauen...das mag jeder anders empfinden.
Mittlerweile habe ich oft Angst ehrlich zu sein, ich versuche sehr mich zurück zu nehmen, denn ich habe gelernt dass es nicht immer angebracht ist.
Aber ich habe auch gelernt, dass man es nicht jedem recht machen kann und das man sich, egal wie viel Mühe man sich gibt, nicht immer vor Ungerechtigkeit schützen kann, vor der eigenen nicht und schon gar nicht vor der Ungerechtigkeit anderer.
Wie ist das bei euch? Wie geht ihr mit diesen Dingen um? Mit Ungerechtigkeiten, mit Selbstreflexion und mit Freundschaft?
Eure
Astrid
..die heute viel nachgedacht hat :-)